Warum KRITIS-Projekte in Bau- und Wartungsphasen besonders gefährdet sind
Die Sicherheitsarchitektur kritischer Infrastrukturen ist im laufenden Betrieb meist engmaschig geknüpft. Zäune, Kamerasysteme, Zutrittskontrollen und IT-Sicherheitsmaßnahmen greifen ineinander. Doch diese Resilienz bricht oft genau dann auf, wenn Anlagen erweitert, umgebaut oder gewartet werden.
In diesen Übergangsphasen entstehen physische Sicherheitslücken, die für Betreiber nicht nur ein operatives Risiko darstellen, sondern seit dem Inkrafttreten des KRITIS-Dachgesetzes im März 2026 auch ein ernstes Compliance-Problem.
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Gerade in den frühen Bauphasen, wenn wertvolle Kabel, Trafos oder Spezialkomponenten angeliefert werden, aber noch keine dauerhafte Sicherheitsinfrastruktur steht, sind KRITIS-Standorte am verletzlichsten.
Abgeschieden, weitläufig, unübersichtlich: Warum KRITIS-Baustellen strukturell gefährdet sind
Viele KRITIS-Standorte liegen bereits im Normalbetrieb in abgelegenen Gebieten –Umspannwerke fernab von Siedlungen, Verkehrsknotenpunkte an wenig frequentierten Strecken, Rechenzentren in abgelegenen Gewerbegebieten. Diese Abgeschiedenheit ist kein Zufall, sondern oft eine Voraussetzung für den Betrieb. Sie hat jedoch eine Kehrseite: Unbefugter Zugriff und Vandalismus bleiben unbemerkt, weil soziale Kontrolle durch Anwohner oder Passanten fehlt. Täter können ungestört agieren.
Hinzu kommt die schiere Größe vieler Anlagen.Ein weitläufiger Rangierbahnhof mit zahlreichen Gleisanlagenlässt sich mit stationären Kamerasystemen allein nicht lückenlos überwachen. Während der Bauphase – wenn die Anlage noch nicht fertiggestellt ist und die permanente Sicherheitsinfrastruktur noch nicht greift – potenziert sich dieses Risiko. Traditionelle Überwachungsmethoden durch Wachpersonal sind bei dieser Flächendimension wirtschaftlich unrentabel. Und stationäre Systeme können die Dynamik einer aktiven Baustelle strukturell nicht abbilden.
Der blinde Fleck der KRITIS-Sicherheit: Wenn stationäre Systeme versagen
Der Schutz kritischer Infrastruktur ist im Normalbetrieb oft statisch: Kameras sind fest installiert, Zäune geschlossen, Alarmsysteme auf die Leitstelle aufgeschaltet. Beginnen Bauarbeiten, verändert sich das Gelände dynamisch und schnell. Für den Bau eines neuen Umspannwerks, die Erweiterung eines Wasserwerks oder die Installation von Batteriespeichern müssen Zäune geöffnet werden, um Baufahrzeugen die Zufahrt zu ermöglichen. Stationäre Kamerasysteme werden temporär deaktiviert oder durch Baukräne und Materiallager verdeckt.
In dieser Phase ist das Gelände besonders verwundbar. Die fehlende physische Absicherung zieht Täter an, die gezielt auf Baustellen im KRITIS-Umfeld operieren. Der BauWatch Crime Report 2026 belegt diese Entwicklung: 72 Prozent der Befragten im Bereich kritischer Infrastruktur berichten von einer Zunahme der Kriminalität – deutlich mehr als der branchenübergreifende Durchschnitt von 67 Prozent. Im Fokus der Täter stehen Kupfer, Kabel und Spezialwerkzeuge. Der Diebstahl dieser Materialien verursacht nicht nur direkte Kosten, sondern verzögert die Inbetriebnahme kritischer Versorgungsanlagen erheblich.
Sabotage und Vortatphasen: Warum Bauphasen für Täter attraktiv sind
Neben dem klassischen Materialdiebstahl rückt ein weiteres Risiko in den Fokus: Sabotage. Angriffe auf kritische Infrastruktur erfolgen selten spontan. Sie haben fast immer eine Vortatphase, die Wochen oder Monate andauern kann. Täter nutzen unübersichtliche Bauphasen, um Objekte auszuspähen, Reaktionszeiten von Sicherheitsdiensten zu testen oder Informationen über die spätere Infrastruktur zu sammeln.
Ein offenes Baufeld ohne aktive Überwachung ermöglicht es unbefugten Personen, sich als Bauarbeiter getarnt Zugang zu sensiblen Bereichen zu verschaffen. Wenn Einbrüche oder Vandalismus in dieser Phase nicht systematisch erfasst werden, bleiben die Vorbereitungshandlungen für spätere, weitaus gravierendere Angriffe unentdeckt. Die physische Sicherheit in der Bauphase ist damit tatsächlich die erste Verteidigungslinie für den späteren sicheren Betrieb der Anlage – nicht die letzte.
Das KRITIS-Dachgesetz kennt keine Baupausen
Mit dem KRITIS-Dachgesetz hat der Gesetzgeber die Anforderungen an die physische Sicherheit verbindlich festgeschrieben. Die Kernvorschrift des § 13 KRITIS-DachG verpflichtet Betreiber, geeignete Resilienzmaßnahmen zu ergreifen, um Vorfälle zu verhindern und Anlagen physisch zu schützen. Das Gesetz macht dabei keinen Unterschied zwischen einer Anlage im Vollbetrieb und einer Anlage im Umbau. Auch unbeabsichtigte Störungen durch Bauarbeiten sind ausdrücklich als Anwendungsfall des Gesetzes benannt.
Die Letztverantwortung liegt bei der Geschäftsleitung. Kommt es während einer Bau- oder Wartungsphase zu einem Vorfall, der die Versorgungssicherheit gefährdet, und lässt sich nachweisen, dass die physische Absicherung unzureichend war, drohen Bußgelder von bis zu einer Million Euro sowie die persönliche Haftung der Verantwortlichen. Die Absicherung von Übergangsphasen ist damit keine Kür.
Phasenmodell der KRITIS-Sicherheitslücken: Wo die Risiken entstehen
Die Risiken und notwendigen Maßnahmen verändern sich im Verlauf eines Infrastrukturprojekts. Die folgende Matrix zeigt, wie Sicherheitslücken in den verschiedenen Projektphasen entstehen und geschlossen werden können.
Projektphase | Typische Sicherheitslücke | Lösung durch mobile Videoüberwachung |
Erschließung & Tiefbau | Keine Infrastruktur vorhanden, offenes Gelände, Anlieferung von Erdkabeln und Spezialkomponenten | Autarke Solar-Videotürme sichern das Gelände ohne Strom- und Internetanschluss |
Hochbau & Installation | Stationäre Kameras verdeckt, Zäune für Lieferverkehr geöffnet, wertvolle Komponenten (Trafos, Schaltanlagen) vor Ort | Flexible Positionierung der Kameratürme passt sich dem Baufortschritt an |
Inbetriebnahme & Testphase | Paralleler Betrieb von Bau- und Anlagentechnik, unübersichtliche Gewerke-Koordination, viele Fremdfirmen auf dem Gelände | Lückenlose Dokumentation von Zutritten und Alarmverifikation durch 24/7-Leitstelle |
Wartung & Umbau | Temporäre Deaktivierung des stationären Perimeterschutzes, oft kurzfristig und ohne Vorlaufzeit | Kompakte, schnell verlegbare Kamerasysteme schließen temporäre Lücken innerhalb von Stunden |
Mobile Videoüberwachung als Brückentechnologie für KRITIS-Baustellen
Um die Sicherheit während Bau- und Wartungsphasen aufrechtzuerhalten, benötigen KRITIS-Betreiber Systeme, die genauso dynamisch sind wie die Baustelle selbst. Stationäre Technik kann das strukturell nicht leisten. Mobile Videoüberwachung schließt diese Lücke.
Systeme wie der BauWatch Solar arbeiten autark ohne feste Strom- oder Internetanbindung und können innerhalb von 72 Stunden an jedem Standort in Deutschland installiert werden. Sobald die intelligente Analysesoftware eine unbefugte Bewegung auf dem Baufeld detektiert, wird der Alarm in Echtzeit an eine zertifizierte 24/7-Leitstelle übertragen. Die sofortige Täteransprache über integrierte Lautsprecher verhindert in den meisten Fällen, dass Schaden entsteht. Verlassen die Täter das Gelände nicht, alarmiert die Leitstelle die Polizei oder einen Interventionsdienst. Alle Vorfälle werden gerichtsfest dokumentiert – was Betreibern hilft, ihre Nachweispflichten gegenüber dem KRITIS-Dachgesetz lückenlos zu erfüllen. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind und der stationäre Perimeterschutz wieder greift, wird das mobile System einfach abgebaut.
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