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News5 min Lesezeit23. September 2026

10 Jahre BauWatch Deutschland – ein Interview mit Thorsten Rabe

Ein Kameraturm, ein grünes Licht – und jede Menge Erklärungsbedarf: Als BauWatch vor zehn Jahren in Deutschland startete, war mobile Videoüberwachung für viele Bauunternehmen noch völliges Neuland.

Aus den ersten rund 60 Kamerasystemen sind inzwischen fast 8.000 aktive Systeme geworden. Aus einzelnen mobilen Kameratürmen entwickelte sich ein integrierter Sicherheitsansatz aus Technik, eigener Notruf- und Serviceleitstelle und gezielter Intervention.  

Einer, der diesen Weg von Beginn an miterlebt hat, ist Thorsten Rabe – Mitarbeiter Nummer 001 in Deutschland. Im Interview blickt Thorsten zurück auf niederländisch-deutsches Angebots-Kauderwelsch, skeptische Bauleiter und erstaunlich gut getimte Kaltakquise. Und er erzählt, warum Ehrlichkeit, guter Service und ein dickes Fell bis heute mindestens genauso wichtig sind wie moderne Technik. 

 

Thorsten, du warst Mitarbeiter Nummer 001 in Deutschland. Wenn du an die Anfangszeit zurückdenkst: Wie sah BauWatch Deutschland vor zehn Jahren aus – und was war damals die größte Herausforderung? 

Vor zehn Jahren waren wir in Deutschland wirklich nur eine Handvoll Leute. Praktisch alles lief noch über die Niederlande: Die Türme kamen von dort, die Fahrer, die sie auslieferten, ebenfalls – und auch die Leitstelle in Apeldoorn war für uns zuständig. 

Mobile Kameraüberwachung war für die meisten Baufirmen komplettes Neuland. Und BauWatch kannte erst recht kaum jemand. Wir mussten also nicht nur unsere Marke bekannt machen, sondern zunächst einmal erklären, warum man so etwas überhaupt braucht. Das war echte Pionierarbeit in einem völlig neuen Bereich auf dem Bau. 

Und dann waren da noch die Angebotsschreiben, welche das uns zur Verfügung stehende IT-Tool in einem sehr speziellen niederländisch-deutschen Kauderwelsch ausspuckte. 

November 2016: erster Großauftrag in Hamburg

Dezember 2016 in Lubmin an der polnischen Grenze.

Was hat dich damals überzeugt, bei BauWatch einzusteigen, obwohl in Deutschland eigentlich noch alles am Anfang stand? 

Das Einstellungsgespräch mit Maarten de Roos. Er sagte mir ziemlich offen, dass wir in Deutschland ganz am Anfang stehen und unsere Kunden selbst suchen müssen. 

Seine Idee war, Türme auch einmal für ein oder zwei Monate kostenlos zur Probe auf einer Baustelle aufzustellen. Sinngemäß sagte er: Ob die Türme in Assen auf dem Hof stehen, wo sie niemand sieht, oder auf einer Baustelle, wo sie Aufmerksamkeit und Neugier wecken, kostet uns zunächst dasselbe. 

Diese pragmatische Art – ausprobieren, statt lange abzuwarten – hat mich überzeugt. Und tatsächlich hat uns das später so manche Tür geöffnet. 

Wie haben sich Kunden, Anforderungen und Projekte in den vergangenen zehn Jahren verändert? Gibt es einen Wandel, der dir besonders aufgefallen ist? 

Am Anfang waren es eher kleine Baustellen und insgesamt nur wenige Projekte. Mein erster wirklich großer Auftrag war ein Neubauprojekt mit fünf schönen Loftgebäuden direkt an der Weser. Wir haben es rund 14 Monate lang mit fünf BauWatch GreenLight-Systemen und zwei Flex-Systemen überwacht. 

Der BauWatch GreenLight hatte damals nur eine Kamera und brauchte etwa 20 Sekunden für den Wechsel von links nach rechts – technisch kein Vergleich zu den heutigen Systemen. 

Danach kamen immer häufiger Anfragen für ähnlich große Projekte. Die grünen Lichter auf den Baustellen wurden gesehen, die Leute fragten nach, und langsam sprach sich herum, wofür sie standen. Gleichzeitig wurden die Anforderungen vielfältiger. Unser Anspruch war von Anfang an, möglichst jeden Kunden zu bedienen – auch wenn das bedeutete, eine Sonderlösung zu entwickeln und nicht einfach nur einen Standard anzubieten. 

Mobile Videoüberwachung war damals eine noch vergleichsweise junge Sicherheitsdienstleistung. War es schwierig, die Kunden davon zu überzeugen – oder wurdest du mit offenen Armen empfangen? 

Mit offenen Armen eher selten. Ich bin so oft von Baustellen hinauskomplimentiert worden – mit Aussagen wie: „Bei uns wird nicht gestohlen“, „So etwas brauchen wir nicht“ oder einfach: „Keine Zeit.“ 

Einmal habe ich bei einem Autohaus gefragt, ob es dort häufiger Probleme mit Diebstählen gebe. Genau so hatte ich es während meiner kurzen Einarbeitung in Amsterdam gelernt. Plötzlich stand ich einem ziemlich aufgebrachten Niederlassungsleiter gegenüber. Seine erste Frage war: „Woher wissen Sie das?“ 

Wie sich herausstellte, waren nur eine knappe Woche zuvor etwa 30 Neuwagen aufgebockt und die Räder gestohlen worden. Ich konnte ihm glaubhaft versichern, dass meine Frage wirklich nur ein dummer Zufall war. Einen BauWatch GreenLight wollte er trotzdem nicht von mir haben. 

Gibt es ein Projekt oder ein Erlebnis mit einem Kunden, das dir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist – vielleicht auch, weil es typisch für BauWatch ist? 

Mein erstes größeres Projekt in Bremen an der Weser ist mir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben. Damals musste ich mich intern gegen unseren Vertriebspartner durchsetzen. Von der Größenordnung wäre es heute ein normalgroßes BauWatch-Projekt – damals war es etwas Besonderes. 

Wenn ich heute über die Weserbrücke fahre und das Areal gegenüber der Becks/InBev Brauerei sehe, kommen die Erinnerungen sofort wieder. Schließlich haben wir diese Gebäude damals während ihrer Entstehung mitbewacht. 

Ein anderes besonderes Projekt war der Standort eines großen Automobilproduzenten in Emden. Dort haben wir mit 36 Kameratürmen mehrere Parkflächen überwacht und sogar eine separate Leitstelle direkt vor Ort eingerichtet. Eine solche Konstellation wäre heute vermutlich deutlich schwieriger umzusetzen. Aber sie zeigt ganz gut, wie wir damals gearbeitet haben: Wenn der Kunde eine besondere Lösung brauchte, haben wir alles versucht, sie möglich zu machen. 

Gab es einen Tag, an dem du dachtest: „Das kann man eigentlich niemandem erzählen“ – und es dann doch gut ausging? 

Ja – im Frühjahr 2018 in Wilhelmshaven. Ich war im neuen Gewerbepark unweit der Autobahn unterwegs und wollte Kaltakquise machen. Gleich auf der ersten Baustelle fiel mir eine schräg hängende Jalousie an einem Containerfenster auf. 

Den Bauleiter musste ich nicht lange suchen; er kam direkt auf mich zu. Nachdem wir uns vorgestellt hatten und ich meine übliche Frage nach Erfahrungen mit Baustellendiebstählen gestellt hatte, sah er mich irritiert an und sagte: „Aber deswegen sind Sie doch hier.“ 

Wie sich herausstellte, war in der Nacht zuvor tatsächlich auf der Baustelle eingebrochen worden. Der Container war aufgebrochen, eine teure Rüttelplatte und weiteres Material waren gestohlen worden. Ich war sogar noch vor der Polizei da und wurde zunächst entsprechend misstrauisch beäugt. Am Ende konnte ich tatsächlich einen BauWatch GreenLight vermieten.

Welche Fähigkeit hast du dir bei BauWatch angeeignet, von der du vor zehn Jahren noch nicht wusstest, dass du sie einmal brauchen würdest? 

Ein dickeres Fell. Am Anfang hat es mich oft noch persönlich getroffen, wenn ich gar nicht erst dazu kam zu erzählen, was ich überhaupt auf der Baustelle wollte. Für viele Bauleiter war ich nur der nächste lästige Außendienstler, der irgendetwas verkaufen will. 

Irgendwann habe ich verstanden, dass ich das nicht persönlich nehmen darf – und dass ich die Sache anders angehen muss. Seitdem macht es mir sogar Spaß, gerade die eher griesgrämigen Bauleiter davon zu überzeugen, welchen konkreten Vorteil sie durch BauWatch haben. 

Juni 2017 – Das erste BauWatch Event

Beim ersten gemeinsamen BauWatch Event ging es für die Teams aus Deutschland und den Niederlanden auf einen Segeltörn durch die Niederlande.

Damals war BauWatch noch so klein, dass alle Kolleginnen und Kollegen aus beiden Ländern gemeinsam auf einen einzigen Zweimastsegler passten.

Wenn du heute jemandem erklärst, was BauWatch Deutschland ausmacht: Was unterscheidet uns deiner Meinung nach von anderen Anbietern? 

Für mich sind es vor allem zwei Dinge: Ehrlichkeit und Service. 

Ich erzähle den Kunden offen, was wir sehr gut können – und genauso offen, was wir vielleicht nicht können. Diese Ehrlichkeit hat zu vielen langjährigen Kontakten und Kundenbeziehungen geführt, die mich teilweise schon seit den Anfangsjahren begleiten. 

Und ganz wichtig ist unsere Serviceabteilung. Wenn unsere Techniker vor Ort kompetent und lösungsorientiert arbeiten, fühlt sich der Kunde verstanden und gut aufgehoben. Dann hat er nicht nur Vertrauen in die Technik, sondern auch das Gefühl: Auf BauWatch kann ich mich verlassen. 

Wenn wir dieses Interview in weiteren zehn Jahren wiederholen würden: Was sollte sich bis dahin in der Branche unbedingt weiterentwickelt haben? 

Durch KI werden sich die Möglichkeiten – und damit auch die Anforderungen – erheblich weiterentwickeln. Auch Türme mit deutlich größeren Reichweiten, beispielsweise durch Radartechnik, halte ich für denkbar. 

Zudem ist es sicherlich im Sinne der Kundenorientierung, neben der "klassischen" Videoüberwachung weitere Services rund um die Sicherheit auf den Kunden-Arealen anzubieten, zum Beispiel in Form von Zugangskontrolle oder auch Arbeitssicherheit.

Bei aller Technik sollte aber eines nicht verloren gehen: Es braucht immer eine ausgewogene Mischung aus Mensch und Technik. Nur Technik allein wird es nicht richten. 

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